THEMA · Verben
Annahmen mit Modalverben
Im Deutschen können wir zur Formulierung von Annahmen Modalverben verwenden. Je nach Modalverb lässt sich der Grad der Annahme anpassen (hohe oder niedrige Wahrscheinlichkeit des Eintretens).
Im Deutschen können wir Modalverben verwenden, um Vermutungen auszudrücken. Je nach Modalverb lässt sich die Stärke der Vermutung anpassen (hohe oder niedrige Wahrscheinlichkeit). Der heutige Beitrag stellt die Verwendung des Konjunktivs mit Modalverben vor.
Fangen wir an!!!
1. Können
- Normalerweise wird das Modalverb können verwendet, um Fähigkeit oder Möglichkeit auszudrücken. Wenn man eine Vermutung mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit ausdrücken möchte, kann man den Konjunktiv II von können, also könnten, verwenden.
Es könnte sein, dass es heute noch regnet.
(Heute könnte es noch regnen.)
- Wenn man eine etwas stärkere Vermutung ausdrücken möchte, verwendet man können.
Es kann sein, dass es heute noch regnet.
(Heute kann es noch regnen.)
Hinweis: Wenn kein oder nicht hinzugefügt wird, ist die Vermutung mit können NICHT möglich.
Es kann heute nicht regnen.
(Heute kann es nicht regnen.)
2. Dürfen
- Wenn man eine stärkere Vermutung als könnten und können ausdrücken möchte, verwendet man den Konjunktiv II von dürfen, also dürften.
Es dürfte heute noch regnen.
(Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es heute noch regnet.)
→ Die Regenwahrscheinlichkeit ist relativ hoch.
3. Müssen
- Die Vermutung mit müssten (Konjunktiv II) ist stärker als mit dürften, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens ist hoch.
Es müsste heute noch regnen.
(Heute wird es regnen.)
- Die Vermutung mit müssen ist sehr stark; die Handlung oder das Ereignis wird mit Sicherheit eintreten.
Er muss heute zum Arzt.
(Heute muss er zum Arzt.)
→ Er wird heute mit Sicherheit zum Arzt gehen.
Die Vermutung mit können kann wie müssen verwendet werden, wenn nur hinzugefügt wird:
Das kann nur meine Freundin wissen!
= Das muss meine Freundin wissen!(Meine Freundin weiß das sicher.)
4. Sollen
- Das Modalverb sollen kann verwendet werden, wenn man ausdrücken möchte, dass etwas Bestimmtes erwartet wird.
Nach der Wettervorhersage soll es heute noch regnen.
(Laut Wettervorhersage wird es heute noch regnen.)
→ Die Verwendung von sollen bedeutet in diesem Fall, dass der Sprecher zwar erwartet, dass es regnen wird, aber zusätzliche Informationen als Grundlage für seine Annahme benötigt.
- Der Sprecher drückt mit sollten auch eine Erwartung gegenüber einer Handlung oder einem Ereignis aus, das regelmäßig stattfindet. Man kann eigentlich hinzufügen, um die Genauigkeit zu erhöhen.
Es sollte (eigentlich) heute noch regnen.
(Heute hätte es (eigentlich) noch regnen sollen.)
5. Mögen
- Das Verb mögen räumt ein, dass eine Handlung oder ein Ereignis tatsächlich stattfindet. In einem Konzessivsatz mit mögen kann man ja oder schon hinzufügen, um die Annahme zu bestätigen.
Es mag (ja) sein, dass es heute noch regnet, aber ich brauche keinen Regen.
(Es mag heute vielleicht noch regnen, aber ich brauche keinen Regen.)
→ Es regnet bereits.
Es mag (schon) sein, dass du recht hast, aber ich habe trotzdem Zweifel.
(Du hast vielleicht recht, aber ich habe dennoch Zweifel.)
→ Du hattest recht.
*** Außerdem können beim Ausdruck einer Vermutung Adverbien mit gleichwertiger Bedeutung verwendet werden.
Er muss zu Hause sein.
= Er ist ganz sicher zu Hause.
(Er ist bestimmt zu Hause.)
Zusammenfassend:
Modalverb | Adverb | Wahrscheinlichkeit |
muss | ganz sicher | 99% |
müsste | sicher | 90% |
dürfte | bestimmt | 75% |
kann | vermutlich | 50% |
könnte | möglicherweise | 40% |
mag | vielleicht (unsicher) | 30% |

